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Inhalt der aktuellen Ausgabe 04/2020

Inhalt

Inhaltsverzeichnis / Impressum

Aufsätze

Einleitung: Konstruktionen im Deutschen und im Chinesischen

Das vorliegende Sonderheft ist nicht zuletzt ein Ergebnis der seit fünf Jahren bestehenden offiziellen Kooperation zwischen dem Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim und der School of Foreign Studies (SFS) bzw. der Deutschabteilung der Universität Nanjing. Nach ersten Kontakten im Jahr 2013 wurde im Jahr 2015 vom damaligen Direktor des IDS, Prof. Dr. Ludwig M. Eichinger, und dem Dekan der SFS, Prof. Dr. Jincai Yang eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, die darauf zielte, durch den wissenschaftlichen Austausch und gemeinsame fachliche Aktivitäten die Kooperation zwischen Deutschland und China zu intensivieren. Diese Vereinbarung wurde 2018 durch den neuen Direktor des IDS, Prof. Dr. Henning Lobin, und Prof. Yang verlängert.

Linksherausstellungskonstruktion im Deutschen und Chinesischen: Eine kontrastive Untersuchung aus syntaktischer, pragmatischer und kognitiver Sicht

Linksherausstellungen, bestehend aus einer vorangestellten Konstituente und einer co-referenziellen Komponente, stellen im Deutschen und Chinesischen ein weit verbreitetes Phänomen dar. Die vorliegende Untersuchung geht aus kontrastiver Sicht den syntaktischen, pragmatischen und kognitiven Merkmalen dieser Konstruktion in beiden Sprachen nach. Die Untersuchung zeigt, 1) dass deutsche Linksherausstellungen sich durch Eigenschaften wie „definitiv“ oder „referenziell indefinitiv“ auszeichnen. Im Chinesischen hingegen können vielfältigere Konstituenten vorangestellt werden, die aber „definitiv“ sein müssen. 2) Die Linksherausstellungen können eingesetzt werden, um etwas hervorzuheben, die Satz- oder Diskurstopik zu steuern oder einen Kontrastierungs- und Übertreibungseffekt zu erzeugen. 3) Obwohl die syntaktischen Strukturen im Deutschen und Chinesischen unterschiedlich sind, zeigen sie jedoch mehr kognitive Gemeinsamkeiten. In beiden Sprachen zeichnen sich die Linksherausstellungen durch ihre referenziellen und projizierenden Eigenschaften aus, die gewisse Projektionsrahmen schaffen, damit man den weiteren Verlauf der Äußerung besser verstehen kann.

Scheinen mit zu/dass-Anschluss und 看来 (kanlai) mit VP/S als Evidentialitätskonstruktionen – eine korpusbasierte konstruktionsgrammatische und funktionale Untersuchung

Scheinen mit zu/dass-Anschluss im Deutschen und 看来 (kanlai, ‚scheinen‘) mit VP/S im Chinesischen als subjektlose und unmotivierte spezifische Konstruktionen erlauben einen besonderen Einblick in die menschliche Sprache. Für dieses Phänomen bietet der Beitrag eine korpusbasierte kontrastive Untersuchung und geht den Fragen nach, wie die Evidentialität der Halbmodalen scheinen und 看来 diachronisch entstanden ist, inwiefern sie konstruktionsgrammatisch und kontextbezogen funktional erfasst werden kann. Die Halbmodalen scheinen und 看来 werden anhand der Korpusdaten im Hinblick auf ihre syntaktischen Strukturen, Kombinationsmöglichkeiten sowie Konstruktionsmuster diskutiert. In Bezug auf die Evidentialität lassen sich die Halbmodalen als sekundäre Prädikationen qualifizieren, die als evidenzielle Modifikation die Proposition eines Ausdrucks spezifizieren, wobei sie sich auch von Modalverben deutlich abgrenzen. Es wird dabei der Versuch unternommen, den valenzbasierten und konstruktionsgrammatischen Erklärungsansatz in die kontextuelle Analyse zu integrieren, um die Form- und Funktionszusammenhänge der beiden Konstruktionen von scheinen und 看来 sowie deren Evidentialitätsmerkmale zu eruieren.

Eine konstruktionsgrammatische Analyse zu Verbalverbindungen mit „nackten“ Nomina im Deutschen und Chinesischen

Im vorliegenden Beitrag werden morpho-syntaktische und semantische Eigenschaften der deutschen Nomen-Verb-Verbindung und der chinesischen V-O-Verbindung kontrastiv untersucht. Anhand einer Vielzahl von sprachlichen Diagnostika wird nahegelegt, dass die beiden einen Grenzbereich zwischen Lexikon und Syntax illustrieren. Von einem gemeinsamen potenziellen Muster ausgehend wird mithilfe der gesammelten Korpusdaten die Hypothese überprüft, dass in beiden Sprachen eine Regelmäßigkeit bzw. ein festgelegtes Konzept durch die Verbindungen assoziiert ist. Dadurch wird gerechtfertigt, dass das vorgeschlagene Muster [N0(NI)+V] als eine eigenständige Konstruktion zu etablieren ist. Ferner liefert die Untersuchung anhand des Zwei-Ebenen-Modells die Indizien dafür, dass beide Sprachen über einen gemeinsamen Mechanismus für konzeptuelle Realisierungen verfügen.

Kulturspezifische Konstruktionen in deutschen und chinesischen Werbeslogans im Vergleich

Dieser empirisch kontrastive Beitrag widmet sich Konstruktionen in deutschen und chinesischen Werbeslogans aus der kulturspezifischen Perspektive. Bei der Untersuchung der Satzstruktur und Funktionen von Werbung in unterschiedlichen Branchen werden die gemeinsamen und speziellen Konstruktionen analysiert, um zu versuchen folgende Fragen zu beantworten:
– Wie werden Werbeslogans als Konstruktionen interpretiert?
– Welche typischen Konstruktionen werden in den deutschen und chinesischen Werbeslogans verwendet?
– Welchen Bezug haben die Konstruktionen auf den kulturellen Unterschied zwischen Deutschland und China?
– Welche Konstruktionsmodelle können aus der internationalen Werbung hervorgehoben werden?
Die vergleichende Analyse setzt dabei ihren Schwerpunkt darauf, wie die Konstruktion in der Werbung ihre Aufforderungsfunktion verstärkt. Im kontextuellen und soziologischen Rahmen wird auch der Zusammenhang von Konstruktionen mit der identifikationsstiftenden Funktion näher untersucht.
DOI: https://doi.org/10.37307/j.1868-775X.2020.04
Lizenz: ESV-Lizenz
ISSN: 1868-775X
Ausgabe / Jahr: 4 / 2020
Veröffentlicht: 2020-12-04
 

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